Logo: Ev. Diakonissenkrankenhaus Leipzig Logo: Ev. Diakonissenkrankenhaus Leipzig Logo: edia.con gemeinnützige GmbH
Startseite :: Kontakt :: Schriftgröße A A A
Wir kritisieren die geplante Krankenhausreform und unterstützen die Kampagne der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

» Hier finden Sie mehr Informationen

Suche   
 

Julius Emmrich berichtet über die Hilfsaktion in Madagaskar

Als unser Jeep nach zweitägiger Fahrt über aufgeweichte Pisten, durch Flüsse und Vegetation kurz vor Mitternacht endlich durch das Tor zum Krankenhaus holpert, ist der Generator schon seit Stunden abgeschaltet. Mit Taschenlampen finden wir den Weg durch die Dunkelheit. Früh am nächsten Morgen nach kurzem Waschen aus Kübeln, machen wir uns auf den Weg in die Ambulanz. Die Schlange der etwa 100 Wartenden, meist Kinder mit ihren Eltern, reicht bis auf den Vorplatz. Viele von ihnen kommen aus weit entfernten Dörfern, manche haben tagelange Reisen auf dem Ochsenkarren hinter sich.

Ablauf am ersten Tag: kurze Bestätigung der Indikationsstellung, ein Gespräch mit der Familie über Notwendigkeit und Risiken des Eingriffs und Festlegung des OP-Datums. Die Tage darauf sind intensiv. Mit dem Sonnenaufgang beginnen wir die erste Operation und arbeiten die Tage hindurch bis zum Abendbrot kurz vor Mitternacht.

Bis zur Abreise gelingen etwa 50 Operationen ohne ernsthafte Komplikationen. Doch die vielen Notfälle, die keinen Aufschub erlauben, werfen den OP-Plan oft durcheinander.

 

Projekt

Dieser kinderchirurgische Hilfseinsatz ist privat organisiert und durchgeführt. Den madagassischen Kollegen Dr. Elson, einen medizinisch und menschlich beeindruckenden Mann, lernte ich vor etwa 3 Jahren während meiner Famulatur in Kamerun kennen. Auf seine Bitte hin entstand das Projekt. Unser Team, bestehend aus zwei Leipziger Ärzten (Dr. med. Robin Wachowiak und Julius Emmrich) und einer Anästhesistin aus Norddeutschland (Dr. med. Wilma Beyen), führte in einem Zeitraum von 2 Wochen Operationen durch, die dort sonst aufgrund mangelnder Ausbildung oder spezieller Instrumente unmöglich wären. Im gesamten Land, abgesehen von der 1000 km entfernten Hauptstadt Antananarivo, gibt es keinen weiteren Facharzt für Kinderchirurgie. Viele Kinder sterben aufgrund angeborener Fehlbildungen bereits kurz nach der Geburt oder müssen mit schweren Einschränkungen leben. Operiert werden sollten vor allem Kinder und Jugendliche mit Hernien und angeborenen Fehlbildungen, sowie akute Fälle. Eine Vorauswahl von Kindern und Jugendlichen, für die eine Operation in Frage kam, erfolgte in den Wochen vor unserer Ankunft durch Dr. Elson vor Ort. Das Krankenhaus verfügt zu diesem Zweck über einen kleinen Radiosender, mit dem Dörfer bis zu einem Umkreis von etwa 100km erreicht werden können. Alle Kosten für Reise und Unterbringung trugen die Teilnehmenden selbst.

 

Ort

Ejeda ist ein kleiner Wüstenort und liegt ca. 1000 km südlich der Hauptstadt Antananarivo, etwa 60 km entfernt vom Indischen Ozean im Südwesten Madagaskars. Der Großteil der medizinischen Versorgung obliegt traditionellen Medizinmännern. Die Bevölkerung der Gegend lebt von kärglichem Landbau, wie ihn Klima und Boden erlauben, doch ganzjährige Trockenheit und Hungersnöte sind die Regel.

 

Das Krankenhaus (Ejeda Hospital)

Das Ejeda Hospital wurde vor etwa 40 Jahren mit Hilfe amerikanischer Spender gegründet. Dr. Elson ist der einzige studierte Arzt im Krankenhaus und wird dabei von etwa 40 Pflegekräften und OP-Mitarbeitern unterstützt.

Die technische Ausrüstung des Krankenhauses ist rudimentär. Es gibt ein Ultraschallgerät und ein einfaches Labor, das Röntgengerät ist defekt. Im Operationssaal ist Sauerstoff vorhanden, aber kein maschinelles Beatmungsgerät. Der Brunnen des Krankenhauses wurde durch einen Sturm schwer beschädigt, seitdem fehlt es an fließendem Wasser.

Trotz aller Einfachheit ist das Krankenhaus im Busch populär.

Verlegungen gibt es aufgrund der großen Entfernungen und mangelnder Transportmöglichkeiten kaum. Das Spektrum der zu behandelnden Krankheiten ist groß. Viele der Fälle sind in weit fortgeschrittenem Stadium: Traumata und Verbrennungen, Tumorleiden, Mangelernährung, urologische Erkrankungen, sowie Infektionskrankheiten und schwierige Entbindungen.

 

Folgende Mail erreichte uns im Anschluss an die Reise