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Zeitungsartikel vom 10. August 2005, Seite 18 in der Leipziger Volkszeitung
Schwestern und Ärzte bemuttern Joao
Er ist quirlig, macht sich mit rollenden schwarzen Augen verständlich und futtert - wird er nicht gebremst - Berge von Schokolade: Joao.
Der kleine Angolaner genießt derzeit die Fürsorge im Leipziger Diakonissenkrankenhaus. Er komplettiert das gute Dutzend Kinder aus Bürgerkriegsregionen, die dort seit der Wende bereits behandelt wurden. Zumeist aus eigener Tasche von den Ärzten und Schwestern finanziert. Die Kleinen wurden bei Auseinandersetzungen im Heimatland verletzt oder erlitten Unfälle, die aufgrund der schlechten Bedingungen dort nicht behandelt werden konnten.
Das zierliche Kerlchen, das acht Lenze zählt, aber im großen Patientenbett wie ein Vierjähriger anmutet, liegt seit dem 25. Juli im Leutzscher Krankenhaus. ,,So vor zwei Jahren hat er sich den linken Arm gebrochen. Und offenbar wurde das seinerzeit nicht behandelt. Nun sind Hand und Finger wie gelähmt, haben eine akute Fehlstellung entwickelt", sagt Steffen Rößner, Stationsleiter der unfallchirurgischen Station.
Wir versuchen zunächst, mit Physiotherapie und einer speziellen Schiene mit Federdruck, die gekrümmte Hand vorsichtig etwas aufzubiegen." In sechs bis acht Wochen stehe dann eine Operation inklusive Sehnentransfer an. ,,Joao befindet sich noch im Wachstum, da bestehen gute Chancen, dass er eines Tages Arm und Hand wieder gebrauchen kann" , ist sich nicht zuletzt Tobias Witting vom Orthopädiehaus Schürmaier sicher, der gestern wegen besagter Schiene zum kleinen Patienten kam.
Steffen Rößner: "Joao befindet sich noch im Wachstum, da bestehen gute Chancen, dass er eines Tages Arm und Hand wieder gebrauchen kann."
Ob der Knirps ahnt, wie viele Menschen sich um ihn einen Kopf machen? Fakt ist: Joao, der kein Wort deutsch, sondern nur portugiesisch spricht und sich mit kullernden Augen verständigt, bekommt sehr wohl mit, wenn Schwestern und Ärzte ihm Spielzeug bringen, seine Sachen zum Waschen mit nach Hause nehmen. Manch Mitarbeiter holt ihn auch mal raus aus dem Krankenzimmer, spielt mit ihm Fußball im Park, nimmt ihn mit in Zoo oder Kino. Stationsleiter Rößner samt Frau und Sohn etwa tollten mit ihm durch Euro-Eddy bei Rückmarsdorf. "Er war von den Rutschen nicht weg zu kriegen", so Rößner.
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Joao inmitten des Mediziner-Teams: (Foto v. r. n. l.) Oberarzt Dr. med. Gotthard Knoll, Orthopädiemechanikermeister Tobias Witting, Stationsleiter Steffen Rößner, die Schwestern Sabine Brombeer und Elke Bahrdt. | Was Joao indes kaum erfassen dürfte: Noch viel mehr Leute organisieren seine medizinische Behandlung, die zunächst auf gut 7000 Euro geschätzt wird. Das zu bezahlen sei diesmal besonders schwer, sagt Verwaltungsleiterin Dagmar Röhl. Der Diakonissenhaus-Spendentopf zur Versorgung kriegsverletzter Kinder sei so gut wie leer. Und so sind es letztlich nicht nur die Schürmaier-Orthopäden, die keinen Cent für Hilfe und Material erheben. ,,Auch die Sachkosten im Krankenhaus finanzieren vornehmlich unserere Mitarbeiter privat", so Röhl. Zudem stellten Schwestern und Ärzte kostenlos Können und Freizeit für den Buben zur Verfügung. Gleiches treffe auf niedergelassene Ärzte zu, die in die Behandlung einbezogen sind; auf die heller in Radiologie und Labor. |
Das Diakonissenhaus bleibt seiner Tradition treu
| Bereits im Herbst 1993 wurde der damalige Chefarzt, Prof. Dr. med. Sieghart Grafe, vom Friedensdorf International in Oberhausen angefragt, ob das Diakonissenkrankenhaus Leipzig bereit sei, verletzte oder behinderte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten ohne Berechnung eines Honorars stationär zu behandeln. Der damals gegebenen Zusage sind wir bis heute treu geblieben. |
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